Boy or Girl – die Frage aller Fragen

We are growing! Again!!!

Und ooooh mein Gott bin ich aufgeregt! Zwei Kinder! Ich?! Unser Leben wird wieder komplett auf den Kopf gestellt. Und lustigerweise bekommt man verhältnismäßig oft die selben Fragen gestellt.

  • Fühlst du dich diesmal anders?
  • Hast du die selben Beschwerden?
  • Wie weit bist du?
  • War es geplant (diese Frage ist übrigens, meiner Meinung nach, nie und von niemanden angebracht!)
  • wann ist der Geburtstermin?

Und wirklich der all-Time-Favorit :

  • Wisst ihr schon was es wird?

Und da wären wir auch schon beim Thema. Also so rein logisch und biologisch gesehen, besteht eine Chance von 50/50. Das grenzt die Auswahl meiner Meinung nach ziemlich drastisch ein. Doch selten habe ich so merkwürdige Gefühle vermittelt bekommen. Wir wissen bisher nicht wer da im Sommer zu uns kommt. Und wenn ich ganz tief in mich reinhorche, ist es mir (geschlechtlich) gesehen ziemlich schnurz.

Boy

Bei meinem Sohn, in der ersten Schwangerschaft, wusste ich, das es ein Junge wird, lange vor dem zeigefreudigen Ultraschall. Ohne Einbildung oder Hoffnung oder gar Erwartungen habe ich einfach gespürt, dass sich da ein kleiner Junge auf den Weg gemacht hat. Ich hab mich nicht mit einem kleinen Mädchen mit lila Kleid auf dem Arm gesehen. Da war immer ein kleiner Bub mit einer blau-weiß-grünen Hose. Immer wieder hatte ich dieses Bild im Kopf. Und (wie sooft) hatte ich natürlich recht.

Diesmal habe ich garkein Gefühl und prompt heißt es: es wird bestimmt ein Mädchen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir der Gedanke an ein kleines Meckermädchen nicht gefallen würde. Was ich hingegen garnicht mag ist, was mir von der Außenwelt teilweise suggeriert wird. Erst letztens, wurde mir nahegelegt: naja wenns diesmal kein Mädchen ist, dann beim nächsten!

Und da platzt mir die Hutschnur! Das fühlt sich dann erstmal so an, als wäre ein kleiner Junge eine Niete. Ein Trostpreis. Ein beim-nächsten-mal-Kind. Ekelhaft!!! und dieser Gedanke macht sich breit obwohl ich weiss, dass sich bestimmt kein böser Gedanke hinter diesem Satz versteckt. Nur ein unbedachter. Die Tante meines Mannes hat schon nach der kleinen Schwester gefragt. Selten waren wir so verwirrt. In meiner Schwiegerfamilie hat sich bisher immer ein gemischtes Doppel durchgesetzt. Demnach wird da einfach nach Bauernlogik von ausgegangen, bei uns ist das auch so. Ist ja nunmal schließlich so, Punkt.

Auch auf Arbeit ist es mittlerweile nicht mehr zu verbergen das ich ne dicke Kugel schiebe. Und auch hier bekomme ich lieb gemeinte, wenn auch ungefragte Hoffnungswünsche zu einem Mädchen, weil einen Jungen hab ich ja schon.
?! Ich mache tolle Jungen! Ich erziehe und begleite einen hübschen, lieben und wunderbaren kleinen Mann der vielleicht irgendwann Dein Schwiegersohn wird! Ist das nichts wert? Habe ich versagt weil ich eventuell ‚wieder‘ kein Mädchen geschafft habe? Weil genau dieses Gefühl niestet sich still und heimlich im Herzen ein.

Girl

Ich möchte euch zwei Beispiele erzählen, wie unterschiedlich werdende Mütter reagieren können. Es gibt mittlerweile medizinische Test die ermitteln ob es genetischen Dysfunktionen oder frühzeitige Problematiken gibt. Bei diesen Blutuntersuchungen kann auf Wunsch auch das Geschlecht des Kindes schon in der 14. Schwangerschaftswoche bestimmt werden. Die Ermittlung und Sicherheit über das Geschlecht erfolgt schon früher, doch erst ab der 14ten Woche ist es rechtlich gestattet darüber Auskunft zu geben. Für viele werdende Eltern ein freudiger Bonus. Nun gibt es diese Frau. Anfang vierzig und mit dem vierten Kind schwanger. Drei gesunde Söhne hat sie schon auf diese Welt gebracht und und irgendwie versteht man den Wunsch nach Verstärkung ihrerseits. Doch auch dieses mal wird es ein kleiner Bub werden.

Wir fragen die Frauen ob sie das Geschlecht am Telefon erfahren möchten (95% wollen es unbedingt!). Nun ja, nachdem sie erfahren hat das es wieder ein kleiner Stammhalter wird, konnte sie nicht an sich halten und meinte nur: nicht schon wieder!!! Ich hab doch schon drei! Und legte ohne weiteres auf. Die Information, das alles gesund und wunderbar entwickelt ist, hatte jeglichen Wert verloren. Oh mein kleines Hormonherz hat in diesem Moment sehr geschmerzt.
Die andere Frau, nennen wir sie Müller, hat schon zwei Söhne und ist nun zum dritten Mal schwanger. Auch sie hat sich für den pränatalen Test entschieden und auch sie hat den blau/rosa Anruf bekommen. Bei der Nachricht eines dritten Jungen ist Frau Müller in Tränen ausgebrochen und hat sich ins unermessliche gefreut! Bei ihrem nächsten Termin kamen wir darüber ins Gespräch und ich muss zugeben, Frau Müller hat mich sehr beeindruckt. Ihre Einstellung zu dem Thema, war ansteckend und einfach schlichtweg logisch. Wünsche sind in Ordnung, doch man sollte dankbar und vor allem ehrfürchtig sein, vor dem was einem dort geschenkt wird. Ein gesundes Kind!

Wieviele Paare verzweifeln an einem unerfüllten Kinderwunsch?! Ich kann es euch sagen: 15% !!!
Und auf einmal rückt die Frage Mädchen oder Junge doch ziemlich in den Hintergrund,oder? Selbst ihre Mutter hat die Enttäuschung durchs Telefon gestöhnt. Und Frau Müller? Die hat gesagt sie hat für solchen negativen Bullshit keine Zeit. Sie freut sich über einen Rückruf, wenn Frau Mama wieder Luft an den Kopf bekommen hat. – genial! Ich möchte niemanden Wünsche absprechen oder gar Enttäuschungen unterdrücken. Ich finde man darf sich Dinge wünschen und man darf auch enttäuscht sein wenn sich dieser Wunsch nicht so erfüllt wie gedacht. Man sollte darüber sprechen dürfen ohne verurteilt zu werden. Und sicher darf man auch die ein oder andere Träne vergießen.

Weil nicht selten fühlt sich so ein unerfüllter Wunsch auch wie ein Verlust an. Manchmal ist es das letzte Kind in der Planung oder man hat sich einfach alles anders vorgestellt. Das muss erstmal verarbeitet und akzeptiert werden. Grade in solch einer sensiblen Zeit wie in der Schwangerschaft. Da braucht die eine Mama vielleicht einen Moment länger als die andere.

Umso wichtiger finde ich, dass wir als Umfeld sensibler werden müssen.

Kein „naja beim nächsten“
Kein „na du wünscht dir doch bestimmt xy“
Kein „oh dein Bauch ist ja so spitz es wird bestimmt ein junge“ (zudem dieses bauchform-Orakel der größte Humbug ist)

Auch der vierte Sohn ist ein Wunder und die sechste Tochter ein Geschenk! Und spätestens nachdem dieser kleine neue Mensch auf der Welt angekommen ist, ist kein Spruch als –Hauptsache gesund– wahrhaftiger.

Schnurzpiepegal

8 thoughts on “Boy or Girl – die Frage aller Fragen

  1. elenschen

    Gänsehaut pur – dazu fällt mir nur ein:
    “was wird es denn?”
    “ein wundervolles kind❤️“

    1. Kathi

      Vielen Dank! Und ja, genauso ist es! Es wird ein neuer Mensch, welcher 100 prozentig zu uns gehören wird !

  2. MissesHeffernan

    Kann deine Gefühle nachvollziehen, bei mir ist es genau umgekehrt. Ich habe zwei wundervolle Mädchen, und jeder fragt mich, wann denn mal ein Junge kommt. Das ich gar kein 3. Kind möchte, interessiert niemanden. Meine Schwiegermutter träumt schön von einem Enkel. Ich bin schon älter und bei der letzten schweren Geburt und auch die Monate danach habe ich sehr gelitten. Psychisch und auch physisch, aber es interessiert niemanden, ob ich überhaupt ein drittes Kind stemmen kann. Dieser Druck von außen macht mich manchmal wahnsinnig. Ich wünsche dir alles gute, und noch ein wundervolles und vor allem gesundes Kind.

  3. Tochter #4

    Meine Eltern mussten sich auch immer diesen Fragen stellen. Ich habe drei Schwestern, bin selbst die jüngste. Meine Eltern haben sich bei keiner von uns das Geschlecht verraten lassen – völlig unverständlich für ganz viele.
    Als ich dann unterwegs war und meine Eltern das verkündeten, kam die Reaktion „Glaubt ihr etwa, dass es jetzt endlich ein Junge wird?“ Und selbst heute noch kommen regelmäßig Sprüche wie „euer armer Papa! Hätte sicher gerne einen Sohn gehabt!“ am schönsten ist, wenn man dann sieht wie stolz unsere Eltern auf uns sind, wie wir alle heute selbst unser Leben meistern, selbst Familien gründen und von ihnen zu eigenständigen und empathischen Menschen erzogen wurden. Die wissen, dass es weit wichtigeres gibt, als das Geschlecht eines Kindes.

    1. Kathi

      Liebe Elisabeth, ich habe eine Freundin. Die Eltern haben eine grosse Tochter, dann kam sie und dann wollten die Eltern noch ein drittes Kind. Es wurden Mädchen,richtig Zwillinge! Allesamt wunderbare Frauen die diese Welt bereichern. Aber die Kommentare kann ich mir da auch vorstellen, welche die Eltern sich da anhören durften. Und es ist der grösste Blödsinn überhaupt das so zu behandeln. Weil ihr vier Mädels hättet zu hundert Prozent nicht besser sein können !!
      Liebe Grüße!!

  4. Danke

    Danke für diesen tollen und wichtigen Beitrag. Nachdem ich vor ein paar Tagen meine Schwangerschaft denn engsten Kreis mitteilte kamen zwei Fragen. „Wollt ihre lieber einen Jungen oder ein Mädchen?“ und „War es geplant?!“
    Die erste Frage kann ich nich ganz gut abtun mit „Die große wünscht sich einen Bruder, aber hat gesagt, dass auch eine Schwester okay wäre – ich finde es reicht zu wissen, dass es ein Mensch wird und ein hoffentlich gesunder obendrein.“
    Mit der zweiten Frage hadere ich sehr. Ich bin schockiert darüber als wie normal diese Frage angesehen wird. Habe auch mit einigen Freunden darüber gesprochen und geäußert, dass ich diese Frage unangebracht finde, aber ich ja vielleicht überreagiere & alle antworteten, dass Interesse an ner Freundin doch voll normal & schön sei. Finde aber nicht, dass das nur Interesse ist. Das ist Privatsphäre und diese Frage ist immer ein Stück weit wertend. Im Prinzip fragt man doch „habt ihr es geplant (und euren engsten Freundeskreis ernsthaft nicht eingeweiht?!?!) oder wart ihr einfach zu blöd zum verhüten?!“
    Ich denk mir, wenn die Umstönde relevant sind, erzählt man sie garantiert selbst. Ungefragt.

    1. Kathi

      Liebe Sara, das sehe ich ganz genauso!die Frage ist einfach unangebracht und zudem auch völlig unwichtig! Was wird denn für eine Antwort erwartet? Upsi? Naja ist jetzt halt so… Ich bin auch jedes Mal erstaunt von wem und wiegt diese Frage kommt.
      Wahrscheinlich darf man sich einfach nicht so darüber ärgern, und muss da direkt Gegenfeuer geben. Ich wünsche dir von Herzen alles, alles Gute zur Schwangerschaft und hoffe du kannst diese besondere Zeit geniessen!

  5. Frau Lichtblau

    Danke!!!
    Diesen Beitrag müsste man sich als Schwangere eigentlich ausdrucken und kommentarlos an alle verteilen, die dämliche Fragen stellen oder unangebrachte Bemerkungen von sich geben.

    Meine jüngere Schwester und ich sind fast zur selben Zeit schwanger gewesen. Ich war zu Beginn der Schwangerschaft schon 37 und habe mir bis dahin regelmäßig sowohl freundliche, als auch verletzende Fragen zum Thema „wann es denn bei mir endlich mal soweit ist“ angehört.

    Natürlich haben meine Schwester und ich uns beide in erster Linie gesunde Kinder gewünscht. In meinem Kopf war aber auch seit Jahren die Vorstellung, einmal eine Tochter zu haben. Ich habe ein tolles Verhältnis zu meiner Mutter und meiner Schwester und irgendwie war es für mich „klar“, dass ich gern ein Mädchen hätte. Meine Schwester teilte diesen Wunsch.

    Jetzt habe ich eine zuckersüße Nichte und einen zuckersüßen Sohn 😉
    Und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es jemals anders hätte sein können. Dabei gab es tatsächlich so etwas wie einen kleinen „Abschied“ von der Tochter aus meinen Vorstellungen. Aber spätestens nach den ersten spürbaren Tritten in meinem Bauch war ich einfach nur verliebt in diesen kleinen Menschen. Ganz zu schweigen von dem Moment, als ich ihn zum ersten Mal im Arm gehalten habe. Mein Sohn ist das KIND, dass ich mir gewünscht habe. Auch wenn er wahrscheinlich kein hübsches Kleidchen tragen wird…

    Vielleicht werde wir das Glück haben, ein zweites Kind zu bekommen (wenn wir uns ein bisschen beeilen…). Vielleicht wird es dann ein Mädchen. Vielleicht aber auch nicht…

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